Prüfaerosol Inhaltsverzeichnis Herstellung | Verdünnungssysteme | Einsatzgebiete | Literatur |...


Dispersion (Chemie)


AerosolKalibrierungStaubmessgerätenfilternder AbscheiderRichtlinienreiheVDI 3491Ladungsverteilungtriboelektrische EffekteAluminiumhydroxidKalksteinTalkumTitandioxidLycopodiumStaubungsverhaltensNanomaterialienReinstoffeLösungenEmulsionenSuspensionenPolaritätUltraschallPiezokristallLaskin-DüseScherkräfteElektrospray-AerosolgeneratorsKondensationKondensationskerneDampfdruckKochsalzkubische KristallePlatinoxidDampfdruckEduktesiliciumorganische VerbindungenfilternKabinenluftfilternraumlufttechnischeKalibrierung




Ein Prüfaerosol ist ein Aerosol, dessen für den jeweiligen Verwendungszweck relevante Eigenschaften bekannt sind. Es kann auf verschiedene Arten hergestellt werden und dient unter anderem zur Kalibrierung von Staubmessgeräten und zu Charakterisierung filternder Abscheider (Filtertests). In einigen technischen Bereichen wird ein Prüfaerosol auch als Teststaub bezeichnet.[1]




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Herstellung


    • 1.1 Dispergierung von Feststoffen


    • 1.2 Dispergierung von Flüssigkeiten


    • 1.3 Kondensationsverfahren


    • 1.4 Chemische Reaktion




  • 2 Verdünnungssysteme


  • 3 Einsatzgebiete


  • 4 Literatur


  • 5 Einzelnachweise





Herstellung |


Die Herstellung von Prüfaerosolen wird in der Richtlinienreihe VDI 3491 beschrieben. Sie erfolgt in mehreren Schritten. Der erste Schritt ist die konstante Zuführung des Partikelmaterials, gefolgt von der eigentlichen Partikelproduktion. Diesen Schritten folgt häufig noch eine Konditionierung, wie beispielsweise die Verdünnung von hochkonzentrierten Aerosolen oder eine Beeinflussung der elektrischen Ladungsverteilung. Prüfaerosole können in Abhängigkeit vom Herstellungsverfahren mono- oder polydispers sein. Je nach Anwendungsfall sind die im Aerosol enthaltenen Partikel flüssig, fest oder teils flüssig, teils fest.


Geräte zur Herstellung von Prüfaerosolen werden Aerosolgeneratoren genannt. Diese können nach den folgenden Funktionsprinzipien arbeiten:



  • Dispergierung von Feststoffen


  • Dispergierung von Flüssigkeiten

  • Kondensationsverfahren

  • Chemische Reaktion bzw. Verbrennungsprozesse


Von besonderer Bedeutung ist, dass keine der verwendeten Substanzen chemisch mit den Materialien der jeweiligen Aerosolgeneratoren reagieren darf.



Dispergierung von Feststoffen |


Bei der Dispergierung von Feststoffen werden feinkörnige Materialien mittels mechanischer Vorgänge aus einem Haufwerk heraus zerstäubt. Dies kann unter anderem durch rotierende Bürsten[2], Zerstäubung[3] oder ein Fließbett, bei dem das gesamte Haufwerk durchströmt wird, wobei einzelne Partikel mitgerissen werden,[4][5] erfolgen. All diesen Verfahren ist gemein, dass bei der Aerosolherstellung durch triboelektrische Effekte ein elektrisch geladenes Aerosol entsteht.[4]


Zu den gängigen Materialien, die zur Herstellung von Prüfaerosolen dispergiert werden, zählen unter anderem Aluminiumhydroxid, Kalkstein, Talkum und Titandioxid sowie Lycopodium-Sporen und synthetische Stäube.[6] Auch zur Feststellung des Staubungsverhaltens von Nanomaterialien werden Feststoffdispergierer eingesetzt.[7]



Dispergierung von Flüssigkeiten |


Zum Dispergieren von Flüssigkeiten, das häufig auch als Zerstäuben oder Vernebeln bezeichnet wird, werden Reinstoffe, Lösungen, Emulsionen oder Suspensionen verwendet. Während Reinstoffe in der Regel zur Erzeugung von flüssigen Partikeln Anwendung finden, werden die aus Lösungen und Suspensionen gewonnenen Tropfen in einer Trocknungsstrecke getrocknet, sodass am Ende dieser Trocknungsstrecke ein aus festen Partikeln bestehendes Aerosol vorliegt. Aufgrund der Polarität der meisten verwendeten Flüssigkeiten tragen die erzeugten Partikel elektrische Ladungen. Die Tropfenerzeugung kann unter anderem mittels Ultraschall[8] oder Schwingblende – eine Lochblende, die über ein Piezokristall in Schwingung versetzt wird[9] – erfolgen. Eine weitere Methode ist die Zerstäubung von Flüssigkeiten mithilfe einer Zweistoffdüse (z. B. Laskin-Düse), bei der ein Gasvolumenstrom durch Scherkräfte Tropfen aus der zu dispergierenden Flüssigkeit mitreißt.[10] Die elektrostatische Zerstäubung von Lösungen oder Suspensionen geschieht mittels eines Elektrospray-Aerosolgenerators.[11]



Kondensationsverfahren |


Kondensationsverfahren werden in Verfahren mit gesteuerter und ungesteuerter Kondensation unterschieden.


Beim Kondensationsverfahren mit gesteuerter Kondensation werden voneinander getrennt Kondensationskerne erzeugt und eine Flüssigkeit mit einem niedrigen Dampfdruck verdampft. Anschließend werden Kondensationskerne und verdampfte Flüssigkeit zusammengeführt und gemeinsam abgekühlt. Ein Kondensationsverfahren zur Herstellung von Prüfaerosolen ist das Verfahren nach Sinclair und La Mer.[12] Beim häufig verwendeten Kochsalz als Grundsubstanz für die Erzeugung von Kondensationskernen besteht die Problematik, dass diese in der Regel als kubische Kristalle anfallen, die messtechnisch schwer zu beherrschen sind.[13]


Beim Kondensationsverfahren mit ungesteuerter Kondensation wird ein gesättigtes Dampfgemisch von innen oder außen gekühlt, sodass eine hohe Anzahl kleinster Partikel entsteht, die innerhalb von Sekundenbruchteilen durch Koagulation zusammenwachsen. Auf diese Weise können auch Feststoff-Partikel aus Platinoxid erzeugt werden.[14]



Chemische Reaktion |


Bei der Herstellung von Herstellung von Prüfaerosolen mittels chemischer Reaktion wird in der Gasphase ein Produkt erzeugt, dessen Dampfdruck niedriger ist als das seiner Edukte, sodass der so erzeugte Stoff kondensiert.


Spreziell für die Herstellung von Nanopartikeln werden siliciumorganische Verbindungen verbrannt, um Nanopartikel aus Siliziumdioxid zu erhalten. Eine analoge Vorgehensweise findet man bei der Herstellung von Nanopartikeln aus Titandioxid.



Verdünnungssysteme |


Um die Konzentration eines Prüfaerosols herabzusetzen, werden Verdünnungssysteme eingesetzt. Gründe hierfür können beispielsweise in der Vermeidung von Koagulation[15] oder der Anpassung an den Messbereich eines Messverfahrens[16] liegen. Im Verdünnungssystem wird das Aerosol mit einem partikelfreien Gas definiert gemischt.[15] Gängige Verdünnungssysteme filtern einen Teilstrom des Aerosols und führen diesen anschließend wieder mit dem ungefilterten Teilstrom zusammen oder sie mischen das Aerosol mit partikelfreier Luft.[16]


Zur Beschreibung des Verdünnungsvorgangs wird der Verdünnungsfaktor herangezogen. Er ist das Verhältnis der Konzentrationen des unverdünnten Aerosols und des verdünnten Aerosols.[16] Verdünnungsfaktoren liegen üblicherweise zwischen 5 und 100.[16] Durch Hintereinanderschaltung können aber auch höhere Verdünnungsfaktoren realisiert werden.[15] Der Verdünnungsfaktor hängt von der Partikelgröße ab.[16]



Einsatzgebiete |


Prüfaerosole werden unter anderem zur Überprüfung von Kabinenluftfiltern[17] und Filtern für raumlufttechnische Anlagen[18] eingesetzt. Ebenfalls finden sie Anwendung bei der Kalibrierung von Staub- und Partikelmessgeräten.



Literatur |


  • VDI 3491 Blatt 1:2016-07 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Grundlagen und Übersicht (Measurement of particles; Methods for generating test aerosols; Principles and overview). Beuth Verlag, Berlin, (Zusammenfassung und Inhaltsverzeichnis online)


Einzelnachweise |




  1. VDI 3491 Blatt 1:2016-07 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Grundlagen und Übersicht (Measurement of particles; Methods for generating test aerosols; Principles and overview). Beuth Verlag, Berlin, S. 2.


  2. VDI 3491 Blatt 9:1989-09 Messen von Partikeln; Herstellen von Prüfaerosolen mittels eines Bürstendosierers (Particulate matter measurement; generation of test aerosols with a rotating brush generator). Beuth Verlag, Berlin, S. 3.


  3. VDI 3491 Blatt 8:1989-09 Messen von Partikeln; Herstellen von Prüfaerosolen aus pulverförmigen Haufwerken mittels Banddosierer (Particulate matter measurement; generation of test aerosols from powders using a belt feed unit ). Beuth Verlag, Berlin, S. 3.


  4. ab William C. Hinds: Dry-Dispersion Aerosol Generators. In: Klaus Willeke (Hrsg.): Generation of Aerosols and Facilities for Exposure Experiments. Ann Arbor Science Publishers, Michigan 1980, ISBN 0-250-40293-9, S. 171–189.


  5. VDI 3491 Blatt 10:1990-01 Messen von Partikeln; Herstellen von Prüfaerosolen aus Haufwerken faserförmiger Partikeln mittels Schwingbett-Aerosolgenerators (Particulate matter measurement; generation of test aerosols from fibrous powders using a vibrating bed aerosol generator). Beuth Verlag, Berlin, S. 2.


  6. VDI 3491 Blatt 3:2018-03 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Dispergierung von Haufwerken und Feststoffen (Measurement of particles; Methods for generating test aerosols; Dispersing solid materials). Beuth Verlag, Berlin, S. 7.


  7. Dirk Dahmann: Das Staubungsverhalten von Nanomaterialien – ein Kriterium für den sicheren Umgang. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 73, Nr. 7/8, 2013, ISSN 0949-8036, S. 307–310.


  8. VDI 3491 Blatt 11:1996-06 Messen von Partikeln; Herstellung von Prüfaerosolen unter Verwendung von Ultraschallzerstäubern (Particulate matter measurement; generation of test aerosols using ultrasonic atomizers). Beuth Verlag, Berlin, S. 2.


  9. VDI 3491 Blatt 13:1990-01 Messen von Partikeln; Herstellen von Prüfaerosolen mittels eines Schwingblenden-Aerosolgenerators (Particulate matter measurement; Generation of test aerosols using a vibrating-orifice generator). Beuth Verlag, Berlin, S. 2.


  10. VDI 3491 Blatt 2:2017-01 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Dispergierung von Flüssigkeiten (Measurement of particles; Methods for generating test aerosols; Dispersing liquids). Beuth Verlag, Berlin, S. 9–10.


  11. VDI 3491 Blatt 2:2017-01 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Dispergierung von Flüssigkeiten (Measurement of particles; Methods for generating test aerosols; Dispersing liquids). Beuth Verlag, Berlin, S. 14–16.


  12. VDI 3491 Blatt 4:1980-12 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Aerosolgenerator nach Sinclair und La Mer. VDI-Verlag, Düsseldorf. S. 2.


  13. Gerhard Kasper, Axel Berner: Ein Generator zur Erzeugung extrem monodisperser Kochsalz-Aerosole. In: Staub – Reinhalt. Luft. 38, Nr. 5, 1978, ISSN 0949-8036, S. 183–186.


  14. VDI 3491 Blatt 6:1980-12 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Platinoxid-Aerosolgenerator. VDI-Verlag, Düsseldorf. S. 1.


  15. abc Leander Mölter, Martin Schmidt: Verdünnungssysteme für Prüfaerosole: Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 78, Nr. 3, 2018, ISSN 0949-8036, S. 88–94.


  16. abcde VDI 3491 Blatt 15 Messen von Partikeln; Herstellungsverfahren für Prüfaerosole; Verdünnungssysteme mit kontinuierlichem Durchfluß (Particulate matter measurement; Generation of test aerosols; Dilution systems with continuous volumetric flow). Beuth Verlag, Berlin, S. 2–3.


  17. Achim Breidenbach, Frank Schmidt, Hartmut Finger, Stefan Haep: Prüfung von Kfz-Innenraumfiltern – Dieselruß als Prüf- und Beladungsaerosol. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 69, Nr. 5, 2009, ISSN 0949-8036, S. 189–193.


  18. Frank Schmidt, Achim Breidenbach, Thomas Engelke, Eckhard Däuber: Die Effizienz von Filtern für raumlufttechnische Anlagen bei zunehmender Beladung – Vergleich von Filtern aus dem Betrieb und Labortests. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 76, Nr. 3, 2016, ISSN 0949-8036, S. 92–96.




Popular posts from this blog

Webac Holding Inhaltsverzeichnis Geschichte | Organisationsstruktur | Tochterfirmen |...

What's the meaning of a knight fighting a snail in medieval book illustrations?What is the meaning of a glove...

Salamanca Inhaltsverzeichnis Lage und Klima | Bevölkerungsentwicklung | Geschichte | Kultur und...